Illegales Glücksspiel: Wie Spieler ihre Verluste zivilrechtlich zurückfordern könnenTeil 2 der Leitfaden-Serie für Betroffene von illegalem Online-Glücksspiel

Viele Nutzer von Online-Casinos oder Sportwetten sind zunächst schockiert, wenn sie durch ein Schreiben der Staatsanwaltschaft erfahren, dass der genutzte Anbieter über keine deutsche Lizenz verfügte und das Spielen damit rechtlich unzulässig war. Häufig entsteht das Gefühl, vollständig gescheitert zu sein – ohne Kontrolle über die eigene Lage und ohne Aussicht darauf, zumindest einen Teil der Verluste aus illegalem Online-Glücksspiel zurückzuerhalten.

Dieser Beitrag baut auf dem strafrechtlichen Leitfaden auf und erläutert, welche zivilrechtlichen Optionen Spielern offenstehen – unabhängig davon, ob ein Ermittlungsverfahren noch läuft oder bereits abgeschlossen wurde.

„Ein strafrechtliches Verfahren schließt zivilrechtliche Ansprüche nicht aus.“

Über István Cocron

István Cocron ist Rechtsanwalt und seit vielen Jahren auf die zivilrechtliche Rückforderung von Verlusten aus Online-Glücksspiel spezialisiert. In diesem Bereich hat er bereits mehr als 3.000 Mandanten gegenüber illegalen Anbietern vertreten.

Für die rechtliche Beurteilung ist es unerheblich, ob ein Spieler 400 Euro oder mehrere hunderttausend Euro verloren hat. Die rechtlichen Fragestellungen bleiben identisch. Auch geringere Beträge können von nicht lizenzierten Anbietern zurückverlangt werden.

Aus diesem Grund arbeitet Cocron eng mit Strafverteidigern wie Rechtsanwalt René Scheier zusammen, insbesondere wenn parallel strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Spieler geführt werden.

„Ein erfahrener Anwalt kann typische Anbieterstrukturen und Abläufe richtig einordnen.“

Die weit verbreitete Annahme, dass mit dem Schreiben der Staatsanwaltschaft alles verloren sei, erweist sich häufig als unzutreffend.
Tatsächlich markiert ein Ermittlungsverfahren oft nicht das Ende, sondern vielmehr den Beginn einer umfassenden rechtlichen Prüfung. Während im Strafrecht die Frage im Raum steht, ob ein strafbares Verhalten vorliegt, befasst sich das Zivilrecht mit einem anderen Aspekt: Ob dem Spieler durch das Glücksspielangebot ein finanzieller Schaden entstanden ist und ob der Anbieter hierfür haftbar gemacht werden kann. Diese beiden Ebenen sind rechtlich voneinander unabhängig.

Dass dies kein Randphänomen ist, zeigt die aktuelle Praxis. In Deutschland sind derzeit etwa 15.000 zivilrechtliche Verfahren anhängig, in denen Spieler ihre Verluste aus Online-Glücksspielen zurückfordern.

„Rund 15.000 laufende Verfahren zeigen, dass viele Betroffene ihre Ansprüche prüfen lassen.“

Wann ist eine Rückforderung möglich?

Zivilrechtlich lassen sich grundsätzlich zwei Fallgruppen unterscheiden.

Zum einen betrifft dies Anbieter, die ihr Glücksspielangebot ohne deutsche Lizenz in Deutschland zugänglich gemacht haben. In diesen Fällen fehlt eine wirksame rechtliche Grundlage für die Annahme der Spieleinsätze, wodurch Rückforderungsansprüche der Nutzer entstehen können.

Typische Beispiele sind Anbieter mit Sitz in Curaçao, die bis heute über keine deutsche Lizenz verfügen. Auch die spanische Weihnachtslotterie, die aktuell von deutschen Influencern beworben wird, besitzt keine Zulassung für den deutschen Markt.

Zum anderen können Ansprüche auch gegen Anbieter bestehen, die zwar lizenziert sind, jedoch gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen haben. Besonders relevant ist hierbei das gesetzlich festgelegte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das anbieterübergreifend gilt und nur unter engen Voraussetzungen überschritten werden darf.

„Entscheidend ist, ob eine deutsche Lizenz fehlte oder gesetzliche Regeln missachtet wurden.“

Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

Rückforderungsansprüche können grundsätzlich bis zu zehn Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Für eine rechtliche Einschätzung sind insbesondere drei Informationen notwendig: die Transaktionsübersichten der Anbieter mit Ein- und Auszahlungen, Angaben dazu, ob und in welchen Zeiträumen vom Ausland aus gespielt wurde, sowie der jeweilige Anbieter.

Diese Transaktionslisten können Spieler kostenfrei über eine DSGVO-Auskunft anfordern.

„Zur Bewertung einer Rückforderung werden Transaktionsdaten und Anbieterinformationen zusammengeführt.“

Häufige Fehler von Betroffenen

Anbieter illegalen Glücksspiels kalkulieren rechtliche Auseinandersetzungen ein und verfolgen gezielte Strategien zur Schadensbegrenzung.

Ein typisches Vorgehen besteht darin, nach der Anforderung von Transaktionslisten frühzeitig Vergleichsangebote zu unterbreiten – oftmals in einer Höhe, die in keinem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen Verlusten steht.

Nicht selten bedeutet dies, dass einem Spieler beispielsweise 5.000 Euro angeboten werden, obwohl die erlittenen Verluste im sechsstelligen Bereich liegen. Wer ein solches Angebot vorschnell akzeptiert, verzichtet regelmäßig auf einen Großteil seiner möglichen Ansprüche.

István Cocron rät daher davon ab, voreilig mit dem Anbieter zu verhandeln, und empfiehlt eine anwaltliche Beratung sowie eine strategische Planung.

„Vergleiche wirken attraktiv und werden gezielt eingesetzt, um Kosten zu reduzieren.“

Ablauf eines Rückforderungsverfahrens

Zunächst sammelt der Anwalt Informationen zur Plattform, zur Nutzung durch den Spieler sowie zu den geleisteten Einzahlungen und Verlusten. Nach Prüfung der Unterlagen wird die Forderung gerichtlich geltend gemacht. Aufgrund des häufigen Auslandsbezugs kann bereits die Zustellung zeitaufwendig sein. Anschließend folgen der Schriftsatzwechsel, eine mündliche Verhandlung und schließlich ein Urteil oder ein Vergleich.

Ein realistischer Zeitraum bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung liegt bei etwa acht bis zwölf Monaten.

„Ein Rückforderungsverfahren dauert mehrere Monate, ist aber strukturiert und planbar.“

Kosten und Finanzierung

Bei einem gerichtlichen Erfolg trägt in der Regel die Gegenseite die Kosten des Verfahrens. Auch im Rahmen von Vergleichen wird häufig eine Kostenübernahme vereinbart.

Darüber hinaus bestehen – abhängig von der persönlichen Situation – Möglichkeiten wie Prozesskostenhilfe, Ratenzahlungen oder die Einschaltung von Prozessfinanzierern.

„Die Kosten werden häufig durch die Gegenseite oder durch Finanzierungsmodelle getragen.“

Wir unterstützen Sie bei der Rückforderung Ihrer Verluste

Viele Betroffene zögern aus Scham, Unsicherheit oder Sorge vor finanziellen Risiken. Dabei handelt es sich keineswegs um Ausnahmefälle. Die hohe Zahl anhängiger Verfahren verdeutlicht, dass die rechtliche Aufarbeitung von Online-Glücksspielverlusten längst gesellschaftliche Realität ist.

Oft bestehen zivilrechtliche Ansprüche auch dann, wenn Spieler selbst nicht damit rechnen. Eine fundierte rechtliche Einschätzung kann helfen, die eigene Lage realistisch zu bewerten und vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden.

Bei Fragen oder Beratungsbedarf steht Ihnen Rechtsanwalt René Scheier zur Verfügung.

Strafrechtliche Verfahren möglichst glimpflich beenden:
Im ersten Teil unseres Blogs erfahren Sie, wie René Scheier Sie unterstützt, wenn gegen Sie wegen illegalen Glücksspiels ermittelt wird.
[Link]

FAQ: Häufige Fragen zur Rückforderung von Glücksspielverlusten

Kann ich Verluste zurückfordern, obwohl ich selbst gespielt habe?
Ja, sofern das Angebot ohne deutsche Lizenz erfolgte oder gegen gesetzliche Vorgaben verstieß.

Ist eine Rückforderung auch bei ausländischen Anbietern möglich?
Ja, auch Anbieter mit Sitz im Ausland können in Deutschland in Anspruch genommen werden.

Wie lange können Verluste rückwirkend geltend gemacht werden?
In der Regel bis zu zehn Jahre rückwirkend.

Wir beraten Sie gerne – individuell und persönlich

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