Weitere Klagen gegen Zahlungsdienstleister im Zusammenhang mit illegalen Online-Casinos eingereicht

Illegales Online-Glücksspiel: Kanzlei Cocron reicht neue Klagen gegen Zahlungsdienstleister ein

Wer Geld in ein illegales Online-Casino eingezahlt hat, denkt häufig zunächst an mögliche Ansprüche gegenüber dem Casinoanbieter selbst. In der Praxis zeigt sich jedoch zunehmend, dass auch die Zahlungsabwicklung einer intensiven rechtlichen Prüfung unterzogen werden muss. Genau an diesem Punkt setzen die neuen Verfahren der Kanzlei Cocron an.

Nach über einem Jahr umfangreicher Recherche, Analyse von Zahlungsströmen sowie technischer Vorbereitung hat die Kanzlei heute mehrere Klagen gegen unterschiedliche Finanzdienstleister und Zahlungsabwickler eingereicht. Der Vorwurf lautet, dass diese Unternehmen trotz der seit Jahren verschärften gesetzlichen Vorgaben in Deutschland weiterhin Zahlungen für illegale Online-Glücksspielanbieter abgewickelt haben sollen.


Worum geht es konkret?

Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass bestimmte Zahlungsdienstleister nicht lediglich gewöhnliche Zahlungsaufträge ausgeführt haben. Vielmehr deuten die bisherigen Untersuchungen darauf hin, dass Einzahlungen von Spielern über zwischengeschaltete Systeme, Wallet-Lösungen oder Krypto-Dienstleister gezielt weitergeleitet wurden, um die tatsächliche Verwendung der Gelder zu verschleiern.

Für Verbraucher ist dies in der Regel kaum erkennbar. Nach außen erscheint der Bezahlvorgang oft seriös, schnell und technisch unauffällig.

Gerade das macht die Situation rechtlich besonders sensibel. Denn nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ist nicht nur das unerlaubte Glücksspiel selbst untersagt. Auch die Mitwirkung an Zahlungen im Zusammenhang mit unerlaubtem Glücksspiel ist gesetzlich verboten. Dadurch rückt die Rolle der Zahlungsdienstleister heute deutlich stärker in den Fokus als noch vor einigen Jahren.


Warum sind diese Klagen besonders wichtig?

Der Bundesgerichtshof hat sich bereits einmal mit der Haftung von Zahlungsdienstleistern beschäftigt. Allerdings bezog sich diese Entscheidung noch auf die frühere Rechtslage unter dem Glücksspielstaatsvertrag 2012. In diesem Fall verneinte das Gericht eine Haftung.

Viele Unternehmen berufen sich bis heute auf dieses ältere Urteil.

Genau hier liegt jedoch ein entscheidender Unterschied: Die nun eingereichten Klagen betreffen die aktuelle Rechtslage nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021, dessen Vorschriften deutlich strenger formuliert sind. Insbesondere das ausdrückliche gesetzliche Verbot, an Zahlungen im Zusammenhang mit unerlaubtem Glücksspiel mitzuwirken, eröffnet neue rechtliche Bewertungsmaßstäbe.

Es handelt sich also nicht um eine bloße Wiederholung früherer Verfahren, sondern um Musterverfahren unter veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen.


Mehr als nur Glücksspielrecht

Nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen geht es nicht ausschließlich um mögliche Verstöße gegen den Glücksspielstaatsvertrag. Die ausgewerteten Unterlagen und technischen Spuren werfen aus Sicht der Klägerseite auch weitere Fragen auf, etwa zu Themen wie Geldwäsche-Compliance, Identitätsprüfung, Transaktionsüberwachung sowie zur Einhaltung weiterer gesetzlicher Schutzpflichten.

Die Kanzlei Cocron hat hierfür mit mehreren IT-Forensikern zusammengearbeitet. Ziel dieser Zusammenarbeit war es, Zahlungsabläufe, technische Zwischenschritte, Weiterleitungen sowie beteiligte Dienstleister möglichst präzise zu rekonstruieren.

Gerade bei modernen Zahlungsmodellen, in denen E-Wallets, Krypto-Umtauschdienste und internationale Plattformen miteinander verzahnt sind, ist eine solche technische Aufarbeitung häufig der entscheidende Schlüssel zur Aufklärung.


Was bedeutet das für betroffene Spieler?

Für Verbraucher ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Viele Mandanten berichten, dass sie auf deutschsprachigen Webseiten gespielt und bekannte Zahlungsmittel verwendet haben. Deshalb gingen sie zunächst davon aus, dass das Angebot legal oder zumindest überprüft sei.

Genau darin liegt eines der grundlegenden Probleme. Die technische und optische Gestaltung der Zahlungswege vermittelt häufig einen Eindruck von Seriosität, der rechtlich nicht zwingend gerechtfertigt sein muss.

Sollte sich gerichtlich bestätigen, dass Zahlungsdienstleister trotz erkennbarer Risiken an der Abwicklung solcher Zahlungen beteiligt waren, kann dies die Rechtsposition geschädigter Spieler erheblich stärken.

Dann geht es nicht mehr ausschließlich um Ansprüche gegen häufig schwer erreichbare Casino-Betreiber im Ausland, sondern auch um die Verantwortung der Unternehmen, die den Geldfluss überhaupt ermöglicht haben.

Die nun eingereichten Klagen sollen genau diese Fragen gerichtlich klären.


Bedeutung über den Einzelfall hinaus

Die Verfahren werfen zentrale Fragen zur praktischen Reichweite des Glücksspielstaatsvertrag 2021 auf:

Müssen Zahlungsdienstleister heute genauer prüfen?
Reicht ein rein technisches „Wir führen nur Zahlungen aus“ noch aus?
Oder bestehen bei auffälligen Transaktionen in Richtung illegaler Glücksspielstrukturen weitergehende Prüf- und Unterlassungspflichten?

Die Verfahren haben deshalb eine Bedeutung, die weit über einzelne Fälle hinausgeht. Sie könnten maßgebliche Maßstäbe dafür setzen, wie Gerichte künftig Zahlungsabwicklungen im Umfeld illegaler Online-Casinos beurteilen.


Fachlicher Austausch ausdrücklich erwünscht

Die Kanzlei Cocron versteht die eingereichten Klagen auch als Beitrag zur weiteren rechtlichen Aufarbeitung dieses Marktes.

Wer sich fachlich mit diesen neuen Musterverfahren befassen oder an der juristischen Diskussion beteiligen möchte, ist ausdrücklich willkommen. Über den weiteren Verlauf der Verfahren wird fortlaufend informiert werden.


Fazit

Illegales Online-Glücksspiel endet rechtlich nicht beim Casino selbst. Wer Zahlungen ermöglicht, verschleiert oder trotz klarer Hinweise weiterhin abwickelt, kann ebenfalls in den Fokus geraten.

Die neuen Klagen der Kanzlei Cocron zielen genau darauf ab, diese Verantwortung unter den strengeren Regelungen des Glücksspielstaatsvertrag 2021 gerichtlich prüfen zu lassen.

Für betroffene Spieler kann dies ein wichtiger Schritt sein, um ihre Verluste nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich erfolgreich durchzusetzen.

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